Bleileitung im Altbau erkennen

Wer ein Haus aus den Jahrzehnten vor dem Krieg besitzt oder kauft, stellt sich früher oder später die Frage, ob irgendwo noch ein Bleirohr im Keller liegt. Mit etwas Licht und einem Küchenmesser lässt sich das in vielen Fällen selbst einschätzen, die endgültige Antwort gibt aber der Fachbetrieb.
Fachbetrieb vermitteln lassen: 01579 2841437
Warum Blei im Altbau überhaupt vorkommt
Blei ließ sich früher gut biegen und löten. Deshalb legten Installateure über viele Jahrzehnte hinweg Hausanschlüsse und Steigleitungen aus diesem Werkstoff, besonders in Gebäuden, die lange vor den heutigen Normen entstanden sind. In den Altstadtvierteln Frankens mit ihren Sandstein- und Fachwerkhäusern kann ein solches Rohr unbemerkt im Mauerwerk liegen, obwohl Bad und Küche längst modernisiert wurden.
Das Problem: Blei kann sich in das Leitungswasser lösen, vor allem wenn das Wasser lange in der Leitung gestanden hat und eher weich ist. Hartes Wasser bildet mit der Zeit eine Kalkschicht an der Rohrwand, die diesen Vorgang bremst. Verlassen kann man sich darauf nicht, denn die Schicht ist weder gleichmäßig noch dauerhaft.
Woran Sie ein Bleirohr optisch erkennen
Bleirohre sehen anders aus als Stahl, Kupfer oder Kunststoff. Die Oberfläche ist stumpf dunkelgrau und wirkt wie angelaufen. Das Rohr hat auffallend dicke Wände und lässt sich mit der Hand leicht eindrücken oder verbiegen. Statt scharfer Kanten und sauberer Fittings finden sich an den Verbindungen oft klobige, verdickte Lötstellen, die wie angeschmolzene Wülste aussehen.
Verläuft das Rohr nicht gerade, sondern in weichen, etwas unregelmäßigen Bögen, spricht das ebenfalls für Blei, weil sich das Material beim Verlegen von Hand in Form drücken ließ. Kupfer dagegen glänzt rötlich oder braun und hat dünne Wände, verzinkter Stahl zeigt eine hellgraue, raue Oberfläche mit Gewinden an den Übergängen.
Die Kratzprobe mit Messer und Magnet
Wenn Sie ein verdächtiges Rohr gefunden haben, hilft eine einfache Probe. Kratzen Sie mit der stumpfen Seite eines Messers oder einem Schraubendreher vorsichtig an einer kleinen Stelle über die Oberfläche. Blei zeigt darunter sofort einen hellen, silbrigen Glanz, der nach kurzer Zeit wieder nachdunkelt. Dabei sollen nur ein paar Millimeter Oberfläche abgetragen werden, das Rohr darf nicht verletzt werden.
Zusätzlich lohnt der Magnet aus der Schublade. Stahlrohre ziehen ihn an, Blei und Kupfer nicht. Kratzprobe und Magnet zusammen schließen Stahl aus und machen Blei wahrscheinlich. Sicher ist die Sache damit nicht, und Sie sollten keine Leitung demontieren oder durchtrennen. Arbeiten an der Trinkwasserinstallation hinter dem Zähler gehören in die Hand eines eingetragenen Installateurs.
Waschen Sie sich nach der Probe die Hände, und lassen Sie Kinder und Haustiere nicht an das abgekratzte Material.
Wo Sie im Haus suchen sollten
Am ergiebigsten ist die Stelle, an der die Wasserleitung durch die Kellerwand ins Haus kommt. Dort liegt der Hausanschluss, und dort steckt in alten Häusern am häufigsten Blei. Schauen Sie hinter den Wasserzähler und in Richtung der Außenwand, auch hinter Verkleidungen oder alten Regalen. Wie Sie den Haupthahn in einem älteren Haus überhaupt finden, steht im Ratgeber Haupthahn im Altbau finden.
Weitere Fundstellen sind Steigleitungen im Treppenhaus, Schächte neben dem Kamin und Leitungen unter dem Kellerboden. Die Aufbauweise solcher Strecken beschreibt Steigleitung im Altbau: Aufbau und Schwachstellen. Was in der Wand verschwindet, sehen Sie nicht, und so kann ein Haus mit modernem Bad trotzdem noch ein Bleistück im Mauerwerk haben.
Was Ihnen Unterlagen und Wasserprobe verraten
Gibt es Baupläne, Rechnungen oder Zeichnungen aus früheren Umbauten, lohnt ein Blick hinein. Ein Vermerk zum Austausch des Hausanschlusses oder zur Erneuerung der Steigstränge erspart manche Suche. Welche Papiere ein Installateur im Altbau braucht, steht im Ratgeber Unterlagen für den Installateur im Altbau.
Ob tatsächlich Blei im Wasser ankommt, zeigt nur eine Untersuchung des Trinkwassers durch ein dafür zugelassenes Labor. Der Wasserversorger oder das Gesundheitsamt nennt Ihnen, wie Sie dabei vorgehen. Die Probe wird in der Regel nach einer gewissen Standzeit der Leitung genommen, damit sie die ungünstigste Lage abbildet.
Bis zur Klärung im Alltag vorsichtig sein
Besteht der Verdacht auf eine Bleileitung, hilft es, Wasser, das längere Zeit in der Leitung stand, nicht zum Trinken oder Kochen zu verwenden. Lassen Sie es morgens oder nach der Abwesenheit kurz laufen, bis es spürbar kühler aus dem Hahn kommt. Das Spülwasser eignet sich zum Blumengießen oder Putzen. Besonders Schwangere, Säuglinge und kleine Kinder reagieren empfindlich auf Blei, hier lohnt die Klärung ohne Aufschub.
Einen Wasserfilter aus dem Handel sollten Sie nicht als Dauerlösung ansehen, solange die Leitung selbst nicht beurteilt ist.
Wann Sie einen Fachbetrieb rufen sollten
Sobald die Kratzprobe auf Blei hindeutet oder Sie sich nicht sicher sind, rufen Sie an. Wir vermitteln einen Fachbetrieb aus der Region, der die Leitung begutachtet, den Verlauf im Haus nachvollzieht und beurteilt, welche Abschnitte ausgetauscht werden sollten. Der Betrieb stimmt den weiteren Ablauf direkt mit Ihnen ab. Das gilt auch dann, wenn Sie ein Haus kaufen wollen und vorher Klarheit über die Installation brauchen.
Häufige Fragen
Kann auch in Kupferleitungen Blei stecken?
An den Verbindungen älterer Kupferinstallationen kann bleihaltiges Lot verwendet worden sein. Die Rohre selbst bestehen dann aus Kupfer, die Lötstellen sind aber nicht bleifrei. Ob das bei Ihnen zutrifft, lässt sich ohne Untersuchung nicht sagen. Die Lötstellen sehen aus wie kleine, glatte Wülste an den Fittings.
Wie fotografiere ich ein verdächtiges Rohr für den Betrieb?
Machen Sie eine Aufnahme der gesamten Strecke vom Eintritt in die Kellerwand bis zum Zähler, dazu Nahaufnahmen von Rohroberfläche und Lötstellen. Legen Sie einen Zollstock daneben und leuchten Sie von der Seite, dann sind Materialwechsel und Verformungen gut zu sehen.
Reicht es, nur das sichtbare Stück zu tauschen?
Meist nicht. Ein Hausanschluss besteht aus mehreren Abschnitten, und das Blei kann in der Wand, unter dem Kellerboden oder in Steigsträngen weiterlaufen. Der Fachbetrieb verfolgt die gesamte Leitung und legt mit Ihnen fest, wo ein sinnvoller Übergang zu einem neuen Werkstoff liegt.