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Alte Gussrohre im Abwasser erkennen und einordnen

Steigleitung hinter einer Revisionsklappe im Treppenhaus

Gusseiserne Abwasserrohre halten erstaunlich lange. Irgendwann ist aber auch ihre Zeit um, und das Problem ist, dass man es von außen selten sieht. Woran sich der Zustand erkennen lässt und warum zuerst der Befund und erst danach die Entscheidung kommt, lässt sich Schritt für Schritt klären.

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Warum Guss so lange hält

Gusseisen wurde über Jahrzehnte für Abwasserleitungen im Haus verwendet. Es ist schwer, schalldämmend und unempfindlich gegen Hitze. Die dicken Wände halten Belastungen aus, die andere Werkstoffe schnell zermürben. Deshalb liegen in vielen Häusern noch Leitungen, die deutlich älter sind als die Bäder und Küchen, die an ihnen hängen.

Die Stärke des Materials ist zugleich seine Schwäche: Man vergisst es. Solange das Wasser abläuft, schaut niemand nach. Dabei verändert sich die Innenseite der Rohre mit der Zeit.

Was im Rohr mit den Jahren passiert

Im Inneren bildet sich Rost, der die Wand aufraut und mit Ablagerungen aus Fett, Seifenresten und Kalk eine Schicht aufbaut. Der Querschnitt wird enger, die Oberfläche rauer. Abwasser läuft dann langsamer, Feststoffe bleiben hängen, und die Leitung verstopft häufiger. An Muffen, also den Steckverbindungen zwischen zwei Rohren, lassen Dichtungen aus Blei, Hanf oder Teer mit der Zeit nach.

In manchen Fällen frisst sich die Korrosion durch die Wand. Dann entstehen Löcher oder Risse, aus denen Abwasser austritt. Das ist kein Wasser, das man gern im Haus hat. Es riecht, es feuchtet Wände und Decken an, und es kann Bauteile schädigen. Hören Sie Geräusche wie ein Gluckern, steckt nicht immer ein Verschluss dahinter; die Ursachen unterscheidet Gluckern im Abfluss: Lüftung oder Verstopfung.

Woran Sie Hinweise erkennen

Achten Sie auf wiederkehrende Verstopfungen, die sich nach dem Beheben schnell wieder einstellen. Auch Gerüche aus dem Schacht oder aus Bodenabläufen können auf undichte Muffen hinweisen. Sichtbare Zeichen sind Rostspuren, feuchte Flecken an Rohren oder Verfärbungen an Wand und Decke rund um die Leitung. An freiliegenden Stücken im Keller lässt sich Rost oft mit bloßem Auge sehen. Ein leichtes Klopfen mit einem Gegenstand kann zeigen, ob das Rohr hell oder dumpf klingt, ist aber nur ein grober Hinweis.

Ein Geruch nach Abwasser hat jedoch nicht immer mit dem Rohr zu tun. Häufig ist ein trockener Siphon die Ursache, was sich leicht prüfen und beheben lässt. Mehr dazu in Abfluss riecht: woher der Geruch kommt. Bevor Sie also auf das Rohr schließen, sollten die einfachen Ursachen ausgeschlossen sein.

Der Befund kommt vor der Entscheidung

Ob ein altes Gussrohr noch in Ordnung ist, lässt sich ohne Blick hinein kaum sagen. Dafür gibt es die Kamerabefahrung: Eine kleine Kamera wird durch die Leitung geschoben und zeigt Rost, Risse, Versatz und Ablagerungen. Das Bild lässt sich festhalten und später mit anderen vergleichen. Auf dieser Basis entscheidet sich, ob die Leitung weiter genutzt werden kann, gereinigt werden sollte, in Teilen zu ersetzen ist oder ganz erneuert werden muss.

Allgemeingültige Antworten gibt es nicht. Ein Rohr mit leichtem Rostansatz kann noch lange arbeiten, ein anderes mit durchgerosteter Muffe ist ein Fall für die Reparatur. Welche Verfahren bei der Sanierung in Frage kommen, steht in Rohrinnensanierung: Verfahren im Überblick.

Was Sie schonend tun können

Nutzen Sie die Leitung schonend. Kein Fett, keine Feuchttücher, keine Essensreste in den Ausguss. Verzichten Sie auf Chemie-Rohrreiniger, sie greifen Dichtungen und Rohr an und lösen das eigentliche Problem nicht. Eine Saugglocke bei einer einfachen Verstopfung ist in Ordnung.

Fotografieren Sie sichtbare Rostspuren und Feuchtstellen und halten Sie fest, wann Verstopfungen auftreten. Wenn Sie alte Unterlagen zu früheren Reparaturen haben, legen Sie sie bereit. Sie helfen bei der Einordnung.

Wann Sie einen Fachbetrieb rufen sollten

Melden Sie sich, wenn Verstopfungen immer wiederkehren, Abwasser sichtbar austritt, es dauerhaft riecht oder Feuchtigkeit rund um eine Leitung zunimmt. Ein vermittelter Betrieb kann den Zustand mit Kamera prüfen und erklärt anhand des Bildes, was möglich ist. Wir vermitteln den Kontakt, die weitere Abstimmung läuft direkt mit Ihnen.

Häufige Fragen

Kann ich freiliegende Gussrohre mit Rostschutzfarbe streichen?

Außen funktioniert das: Losen Rost abbürsten, Rostschutzgrundierung auftragen, dann lackieren. Das bremst äußeren Rost und sieht besser aus. Über den Zustand im Inneren sagt der Anstrich nichts, und eine durchgerostete Muffe wird dadurch nicht dicht. Fotografieren Sie die Stelle vorher.

Gibt es Leitungen, die teils aus Guss und teils aus Kunststoff bestehen?

Ja, das ist häufig. Bei früheren Reparaturen wurden einzelne Stücke durch Kunststoffrohr ersetzt. An den Übergängen sitzen Adapter oder Manschetten, die zu den Schwachstellen zählen können. Auf einem Kamerabild lassen sich solche Wechsel gut erkennen.

Worauf achte ich beim Hauskauf, wenn Gussrohre verbaut sind?

Ein vorhandenes Gussrohr ist für sich kein Mangel. Fragen Sie nach Unterlagen zu früheren Sanierungen, nach einer Kamerabefahrung oder Dichtheitsprüfung und nach wiederkehrenden Verstopfungen. Aus Rostspuren an den Muffen im Keller und aus Gerüchen an Schächten lassen sich erste Hinweise ablesen.